Warum Trainieren?

Ein Christlicher Leitfaden zur Spiritualität, 20201014

Vor Stephen W. Hiemstra

Flieht die Hurerei! Alle Sünden, die der Mensch tut, sind außerhalb seines Leibes; wer aber Hurerei treibt, der sündigt am eigenen Leibe. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe. (1 Cor. 6:18-20)

Auf welche spirituelle Disziplin sollte ich mich konzentrieren?

Sünde lenkt ab und trennt uns von Gott. Die spirituellen Disziplinen von höchstem Wert zielen auf Sünden ab, für die wir als Amerikaner besonders anfällig sind—sexuelle Unmoral und Völlerei. Beides sind Sünden gegen den Körper.

Jesus ist klar, wenn er sagt, dass Sünde im Herzen beginnt. Zur Frage des Ehebruchs sagt er: “Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.” (Matt 5:28) Auf diese Aussage folgt unmittelbar eine Hyerbei über das Abhacken von Körperteilen, die zur Sünde führen. Dieser Übergang vom Herzen zum Körper ist ein Beispiel dafür, wie Körper und Geist vereint sind (Macchia 2012,104).

Das beste Beispiel für die Einheit von Körper und Geist in spirituellen Disziplinen findet sich in Henri Nouwens Buch Reaching Out. Nouwen beschreibt unsere spirituelle Reise als eine Einheit von drei Dimensionen—die nach innen zu uns selbst reichen; nach außen zu anderen greifen; und nach oben zu Gott greifen. In uns selbst bewegen wir uns vom einsamen sein zum zufriedenen sein in der Einsamkeit. In unseren Beziehungen zu anderen bewegen wir uns von Feindseligkeit zu Gastfreundschaft. In unserer Beziehung zu Gott bewegen wir uns von der Illusion zum Gebet (Nouwen 1975, 15). Das Paradox dieser Einheit in drei Dimensionen ist, dass der Fortschritt in einer Dimension den Fortschritt in den anderen erleichtert.

Diese Verbindung des spirituellen Fortschritts in verschiedenen Dimensionen ist besonders wichtig im Umgang mit Sünden des Körpers. Sünden gegen den Körper beinhalten ausnahmslos leichte bis schwere Süchte—zwanghafte Verhaltensweisen, die wir wiederholen. Wenn wir uns unsere “kleinen Genüsse“ gönnen, breiten sie sich auf andere Bereiche unseres Lebens aus. Schlechtes Verhalten wird zu schlechten Gewohnheiten, die sich in einen schlechten Lebensstil verwandeln.

Ein “Fasten“ in gefährdeten Bereichen unseres Lebens kann schlechtes Verhalten früh im Prozess unterbinden. Gerald May (1988, 177)⁠1 schreibt: “Alles läuft darauf hinaus, damit aufzuhören, sich nicht auf das nächste Suchtverhalten einzulassen, sich nicht der nächsten Versuchung hinzugeben.“ Körperliche Disziplin arbeitet dementsprechend, um das gesamte System zu reinigen.

Warum trainieren? Die einfache Antwort ist, dass deiner Körper der Tempel Gottes ist. Wir sind uns selbst und Gott verpflichtet, unseren Tempel sauber zu halten. Eine differenziertere Antwort ist, dass uns die körperlichen Disziplinen die Kraft geben, andere, weniger offensichtliche Bereiche unseres Lebens zu disziplinieren. Körper und Geist sind untrennbar—körperliche Bewegung ist eine Art Strandangriff auf unsere Insel der Sünde (Reynolds 2012). Strandangriffe, wie der auf Iwo Jima während des Zweiten Weltkriegs, sind riskant, aber die Auszahlung ist enorm. Es ist seltsam ironisch, dass wir beim Sport oft weniger Interesse an Essen, Alkohol oder sogar Tabak zeigen, weil wir entspannter und selbstbewusster sind.

In der klinischen pastoralen Ausbildung wurde uns beigebracht, nach Dissidenz zwischen Worten und der Körpersprache der Patienten, die wir besuchten, zu suchen. Diese Disharmonie zwischen Worten und Körpersprache ist natürlich ein Maß an Wahrheit. In ähnlicher Weise ist das biblische Paradigma der Schönheit, dass die Wahrheit eines Objekts seiner Erscheinung entspricht (Dyrness 2001, 81). Habe ich schon erwähnt, dass Körper und Geist eng miteinander verbunden sind?

Verweise

Dyrness, William A. 2001. Visual Faith: Art, Theology, and Worship in Dialogue. Grand Rapids, MI: Baker Academic.

Macchia, Stephen A. 2012. Crafting a Rule of Life: An Invitation to the Well-Ordered Way. Downers Grove: IVP Books.

May, Gerald G. 1988. Addiction and Grace: Love and Spirituality in the Healing of Addictions. New York: HarperOne. 

Nouwen, Henri J. M. 1975. Reaching Out: The Three Movements of the Spiritual Life. New York: DoubleDay.

Reynolds, Steve and MG Ellis. 2012. Get Off the Couch: 6 Motivators to Help You Lose Weight and Start Living. Ventura: Regal.

Fußnoten

1 “It all comes down to quitting it, not engaging in the next addictive behavior, not indulging in the next temptation.”

Warum Trainieren?

Siehe auch:

Einleitung auf Ein Christlicher Leitfaden zur Spiritualität 

Andere Möglichkeiten, sich online zu engagieren:

Autoren Seite: http://www.StephenWHiemstra.net

Herausgeber Seite: http://www.T2Pneuma.com

Mitteilungsblatt:  https://bit.ly/Urn_2021

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