Wie Wissen Wir?

Ein Christlicher Leitfaden zur Spiritualität, 20201014

Von Stephen W. Hiemstra

 Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt. (2 Tim 3:16-17)

Im Koran werden Christen als Menschen des Buches beschrieben. Ein Teil des Grundes für diese Unterscheidung könnte sein da𝛽 das Neue Testament der erste als Buch gebundene Text war. Bücher waren billiger zu produzieren und tragbarer als Schriftrollen, mit denen weiterhin die hebräische Bibel aufgezeichnet wurde.

Mehr neutestamentliche Texte sind aus der Antike erhalten als allen anderen alten Manuskripten. Die Bibel war die erste Veröffentlichung, die als Kodex oder gebundenes Buch weit verbreitet war (Metzger und Ehrman 2005, 15). Stone (2010, 14) zitiert die Existenz von 5.500 teilweisen oder vollständigen biblischen Manuskripten und ist damit das einzige Dokument aus der Antike mit mehr als ein paar Dutzend Exemplaren.

In seinem Osterbrief von 367 n. Chr. schlug Athanasius die siebenundzwanzig Bücher vor, aus denen nun das Neue Testament besteht, wie der Rat von Karthago 397 bestätigte.

Der gemeinsame Nenner in diesen Büchern ist, da𝛽 ihre Autoren bekanntermaßen ein Apostel waren oder eng mit einem Apostel Jesu verbunden waren. Papst Damasus I. beauftragte Hieronymus mit der Erstellung einer maßgeblichen Übersetzung der Bibel ins Lateinische im Jahr 382 n. Chr., die allgemein als Vulgata bekannt ist (Evans 2005, 162).  Die Vulgata blieb bis zur Reformation der maßgebliche biblische Text für die Kirche, als die Reformer begannen, die Bibel in gemeinsame Sprachen zu übersetzen.

Während des Reformation Martin Luther übersetzte das Neue Testament ins Deutsch in 1522, das Alte Testament in 1532, und die vollständige Bibel in 1534 (Bainton 1995, 255).  Luther übersetzte auch die Apokryphen im Jahre 1534, sagte aber ausdrücklich, sie seien nicht kanonisch, nur gut zu lesen.

Luther behielt die siebenundzwanzig Bücher des Neuen Testaments, folgte jedoch eher dem Masoretischen (Hebräisches Altes Testament) nicht der Septuaginta (Griechisches Altes Testament) bei der Auswahl der Bücher für das Alte Testament. Die ausgelassenen Bücher wurden als Apokryphen bekannt. Diese Bücher unterscheiden die Katholiken (einschließlich Apokryphen) bis heute von protestantischen Bibelübersetzungen (Apokryphen ausgeschlossen). Die folgende Liste, die die Apokryphen ausschließt, stammt aus dem Westminster Konfession:

Altes Testament

Genesis, Exodus, Leviticus, Numbers,  Deuteronomium, Joshua, Richter, Ruth, 1 Samuel, 2 Samuel, 1 Könige, 2 Könige, 1 Chronik, 2 Chronik, Esra, Nehemia, Esther, Hiob, Psalmen, Sprichwörter, Prediger, Lied von Salomo, Jesaja, Jeremia, Wehklagen, Hesekiel, Daniel, Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zephanja, Haggai, Sacharja, Maleachi

Neues Testament

Matthäus, Markus, Lukas, Johannes, Apostelgeschichte, Römer, 1 Korinther, 2 Korinther, Galater, Epheser, Kolosser, Philipper, 1 Thessalonicher, 2 Thessalonicher, 1 Timotheus, 2 Timotheus, Titus, Philemon, Hebräer, Jakobus, 1 Petrus, 2 Petrus, 1. Johannes, 2. Johannes, 3. Johannes, Judas, Offenbarung

Bei unserem Studium der Bibel leitet die Haltung Jesu zur Schrift unser Denken. Jesus sagte:

Ihr sollt nicht meinen, da𝛽 ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht. (Matt 5:17-18)

Das Gesetz des Moses bezieht sich auf das Gesetz (die ersten fünf Bücher der Bibel) und die Propheten (die anderen Bücher).

Das letzte geschriebene Buch im Alten Testament war wahrscheinlich Maleachi, da𝛽 ungefähr vierhundert Jahre vor der Geburt Christi geschrieben wurde. Das letzte geschriebene Buch im Neuen Testament war wahrscheinlich das Buch der Offenbarung, das um 90 n. Chr. geschrieben war.

Die Bibel repräsentiert das Werk vieler Autoren, doch ihr Inhalt ist einzigartig konsistent. Dieses Konsistentes verstärkt unseren Glauben, da𝛽 die Bibel vom Heiligen Geist inspiriert wurde.

Verweise

Bainton, Roland H. 1995. Here I Stand: A Life of Martin Luther. New York: Penguin.

Evans, Craig A. 2005. Ancient Texts for New Testament Studies: A Guide to Background Literature. Peabody, MA: Hendrickson.

Metzger, Bruce M. and Bart D. Ehrman. 2005. The Text of the New Testament: Its Transmission, Corruption, and Restoration. New York: Oxford University Press.

Stone, Larry. 2010. The Story of the Bible: The Fascinating History of Its Writing, Translation, and Effect on Civilization. Nashville, TN: Thomas Nelson.

Wie Wissen Wir?

Siehe auch:

Einleitung auf Ein Christlicher Leitfaden zur Spiritualität 

Andere Möglichkeiten, sich online zu engagieren:

Autoren Seite: http://www.StephenWHiemstra.net

Herausgeber Seite: http://www.T2Pneuma.com

Mitteilungsblatt:  https://bit.ly/Dec_2020

Continue Reading

Einleitung auf Ein Christlicher Leitfaden zur Spiritualität

Ein Christlicher Leitfaden zur Spiritualität, 20201014

Von Stephen W. Hiemstra

Die Spiritualität ist gelebter Glaube. Wenn wir beten, anbeten oder unsere Nachbarn erreichen, leben wir unseren Glauben aus. Unseren Glauben strukturieren unsere Spiritualität wie Haut, die sich über die Knochen unseres Körpers erstreckt. Diesen Glauben anfangen mit dem Glauben an Gott den Vater durch Jesus Christus, wie er durch den Heiligen Geist in der Schrift, in der Kirche und im täglichen Leben offenbart wird. Unsere Theologie ordnet unseren Glauben. Ohne eine kohärente Theologie verlieren wir unsere Identität in Raum und Zeit, ohne Karte oder Kompass, der uns auf unserem Weg führt. Am Ende konzentrieren wir auf uns selbst, nicht auf Gott.


Die christliche Spiritualität dementsprechend anfange bei Gott, nicht bei uns. Wie die Frau, die Jesus von einer Wirbelsäule Entstellung geheilt hat, kann unsere einzige Antwort darin bestehen, Gott mit Lobliedern zu verherrlichen (Lukas 13:13). Deshalb wird dauerhafte christliche Freude erlebt, nicht indem man Christus als Retter erkennt, sondern indem man Christus als Herrn erkennt. Spirituelle Disziplinen und Erfahrungen sind Teil dieser Spiritualität, aber sie stehen nicht unbedingt im Mittelpunkt (1 Kor 13:8).

Dieses Konzentrieren auf das, was Gott getan hat, beginnt in Vers eins der Genesis, in dem Gott die Himmel und die Erde erschafft. Was genau haben wir getan, daβ wir verdienen, geschaffen zu werden? Nichts. Tatsächlich unsere erste unabhängige Handlung war zu sündigen. Was genau haben wir getan, um Vergebung zu rechtfertigen? Nichts. Christus ist gestorben für unsere Sünden. Die einzig sinnvolle Antwort auf diese Gaben der Schöpfung und des Heils ist Lob.

Die Urkirche interpretierte und fasste Gottes Offenbarungen im biblischen Text und in den frühen Glaubensbekenntnissen zusammen. Die Katechismen wurden später entwickelt, um wichtige kirchliche Doktrinen zusammenzufassen. Der Heidelberger Katechismus, Luthers Katechismus und der katholische Katechismus konzentrieren sich auf drei wichtige Glaubensaussagen: das Glaubensbekenntnis des Apostels, das Beten des Herren, und die Zehn Gebote (Chan 2006, 108). Es überrascht nicht, daβ sich der Gottesdienste am Sonntagmorgen seit Jahrhunderten auf diese drei Glaubensaussagen konzentriert und oft auswendig gelernt und vertont wird. Der Heidelberger Katechismus zum Beispiel fördert den Fokus auf Anbetung und ist selbst in 52 Predigtthemen für den wöchentlichen Gebrauch unterteilt.

Die wichtigste spirituelle Disziplin im christlichen Glauben ist natürlich die Anbetung am Sonntagmorgen. Der Gottesdienst umfasst Gebet, Lesungen aus der Schrift, das gesprochene Wort, die Sakramente, Musik, Glaubensaussagen, und andere Ausdrucksformen der treuen Anbetung. In der Anbetung, verbindet Musik unser Herz und unseren Verstand.

Diese Anbetungserfahrung wird täglich durch persönliche Andachten sowie Andachten mit unseren Ehepartnern, Familien und anderen kleinen Gruppen gestärkt. Die Urkleinegruppe ist die Dreifaltigkeit—Vater, Sohn und Heiliger Geist—unsere Vorlage für eine gesunde Gemeinschaft. Und wenn wir unsere Spiritualität in die Arbeitswelt bringen, wird auch dies eine Gelegenheit zur Anbetung.

Die folgenden Seiten diskutieren die christliche Spiritualität im Kontext von täglichen Andachten. Jedes Thema wird mit einem biblischen Verweis, Reflexion, Gebet, und Diskussionsfragen behandelt. Falls zutreffend werden Referenzen für weitere Studien bereitgestellt. Die ersten vier Kapitalen (Einführung, das Glaubensbekenntnis des Apostels, das Beten des Herren, und die Zehn Gebote) umfassen vierzig Tagen und eignen sich daher als Fastenzeitstudium. Die gesamte Studie umfasst fünfzig Tage, die zu Ostern beginnen könnten und bis Pfingsten dauern.

Mein Gebet ist, daβ dieses Buch die Leser ermutigt, sowohl die christliche Spiritualität besser zu verstehen als auch ihren Weg mit dem Herrn zu pflegen. Es gibt keine solche Sache wie Qualitätszeit mit dem Herrn; es gibt nur Zeit. Der lebendige Gott spricht zu uns auf viele Arten, vor allem aber durch die Schrift, und erwartet, nachdem er einen Dialog initiiert hat, unsere Antwort (Thielicke 1962, 34).

Höre die Worte; Nehme die Schritte; Erlebe die Freude!

 

Einleitung auf Ein Christlicher Leitfaden zur Spiritualität

Verweise

Chan, Simon. 2006. Liturgical Theology: The Church as a Worshiping Community. Downers Grove, IL: IVP Academic.

Thielicke, Helmut. 1962. A Little Exercise for Young Theologians. Grand Rapids, MI: Eerdmans.

Siehe auch:

Preface to a Life in Tension

Andere Möglichkeiten, sich online zu engagieren:

Autoren Seite: http://www.StephenWHiemstra.net

Herausgeber Seite: http://www.T2Pneuma.com

Mitteilungsblatt: https://bit.ly/Plow_2020

Continue Reading